Tinnitus
- Retraining
NATURHEILKUNDLICHER
ANSATZ
Tinnitus - Übersicht:
Als
Tinnitus bezeichnet man alle Formen von Ohrgeräuschen, die ein Mensch hört,
ohne dass ein äußeres Schallsignal vorliegt. Viele Patienten kennen Ohrgeräusche,
denn Ohrgeräusche treten eigentlich bei allen Menschen spontan und für kurze
Zeit auf. Von Tinnitus (lat. tinnere = klingen), spricht man erst, wenn die
Ohrgeräusche regelmäßig, oder auch über einen längeren Zeitraum auftreten.
Häufig verbinden sich diese Ohrgeräusche mit seelischen Lebensbeeinträchtigungen.
Am häufigsten gehören hierzu Schlafstörungen, Unausgeglichenheit, Aggressivität,
mangelnde körperliche und seelische Belastbarkeit, sowie
Depressionen.
In solchen Fällen spricht der Mediziner vom chronisch-komplexen Tinnitus. Tinnitus ist - zumindest in der Anfangsphase - ein Krankheitssymptom. Dieses Symptom ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass im körperlichen und/oder seelischen Bereich irgend etwas vorhanden ist, was stört oder beeinträchtigt und somit krank macht. Viele Betroffene sind dieser Situation hilflos ausgeliefert. Die Geräusche im Kopf verwirren sie und machen ihnen Angst. Unterstützt wird die Angst vor den Ohrgeräuschen durch teilweise absurde Behauptungen der Laienpresse ( z. B. „Schlaganfall/Infarkt des Innenohrs“ ), aber auch den unzureichenden Informationsstand von Betroffenen - und manchmal ärztliche Fehlinformationen ("Damit müssen Sie leben“).
Auch die immer noch weit verbreitete
(falsche) Vorstellung, die Verantwortung für die eigene Gesundheit beim Arzt
abgeben zu können, trägt zur Verbreitung des chronischen Tinnitus bei. Durch
eine sorgfältige und einfühlsame Information sowie eine sachgerechte
Diagnostik, kann den Befürchtungen der Betroffenen, in den allermeisten Fällen,
jedoch schnell entgegengewirkt werden.
13 Millionen
Menschen in Deutschland leiden unter Tinnitus Nach neuesten Untersuchungen sind etwa 17 % der Bevölkerung betroffen. In der Statistik geben 30% der über 65jährigen Patienten an, unter Tinnitus zu leiden. Insgesamt bedeutet das, dass etwa 13 Millionen Menschen in Deutschland von dem Phänomen Tinnitus betroffen sind. Weiterhin gehen die Untersuchungen davon aus, dass etwa 1 Million Menschen in Deutschland so stark unter Tinnitus leiden, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ein normales Leben zu führen. Mit steigendem Lebensalter steigt auch der Anteil an Betroffenen.
Um das 50.
Lebensjahr erreicht die Verteilung des Tinnitus, ihren Höhepunkt.
Ursachen hierfür sind der berufliche Stress, eine allgemeine Krise in der
Lebensmitte Ganz klar muss man jedoch hierzu
sagen, dass Tinnitus keine Alterserscheinung ist, die man einfach so hinzunehmen
hat. Tinnitus kommt immer öfter schon in jungen Jahren vor: Bei Jugendlichen
beträgt er bereits 5 -10 % mit deutlich steigender Tendenz. Die Schäden, die
sich Jugendliche in ihrem Freizeitverhalten mit Disco, Walkman, Rap Musik und
allgemeinem Lärm zufügen, können sie in der Regel für das Erwachsenenalter
noch gar nicht überblicken. Von Seiten der Ärzte wäre hier eine Hördisziplin
zu fordern, die den Kindern ebenso nachhaltig vermittelt werden müsste, wie die
Zahnhygiene.
Scheinbar gibt es
jedoch auch bestimmte Berufsgruppen, die besonders gefährdet erscheinen. So
konnte die Deutsche Tinnitus - Liga veröffentlichen, dass bei Arbeitern und
Lehrern Ohrgeräusche auffallend häufiger vorkommen, als bei Angestellten.
Lärmschäden nehmen
neuerdings die 1. Stelle unter den anerkannten Berufskrankheiten ein und diese
Lärmschäden sind oft mit quälendem Tinnitus
verbunden. Jeder Patient erlebt seinen eigenen Tinnitus, sein eigenes Ohrgeräusch,
ganz für sich alleine. Beschrieben werden Ohrgeräusche wie Pfeifen, Rauschen,
Summen, Zischen, Hämmern, Krachen, Klopfen oder Klingeln. Diese Geräusche können
in einem Ohr, in beiden Ohren oder auch im ganzen Kopf vorkommen. Manchmal
treten sogar mehrere Ohrgeräusche nebeneinander auf.
Wie entsteht
Tinnitus?
In der Literatur
finden sich 400 mögliche Ursachen und Kombinationen für die Entstehung eines
Ohrgeräusches. Nicht immer liegt die Ursache für die Entstehung des Ohrgeräusches
jedoch im Ohr. Die folgende Zusammenstellung ist der Tinnitus - Info der
Deutschen Tinnitus - Liga entnommen:
Weitere Ursachen
Neben diesen hauptsächlichen
Ursachen gibt es zahlreiche weitere denkbare Ursachen. Wir führen sie hier nur
kurz auf:
Eine umfangreiche
und sorgfältige Diagnostik ist unerlässlich, ebenso die notwendigen bekannten
Sofortmaßnahmen je nach Ursache, auf die hier aber nicht näher eingegangen
werden kann.
Tinnitus und
der innere Filter
Nach Befragungen
empfinden ungefähr 85 % der Tinnitus - Patienten den Tinnitus bzw. die Ohrgeräusche
nicht als aufdringlich, störend oder angsteinflößend. Dabei spielt die Qualität
oder die Lautstärke, der Ohrgeräusche überhaupt keine Rolle. Der wesentliche
Unterschied besteht darin, dass diejenigen, die den Tinnitus als störend
empfinden, ihn auch als eine Bedrohung bewerten.
Jeder von uns kennt
mehrere Lebenssituationen, in denen Geräusche (dauerhafte oder sehr laute) nach
einer gewissen Zeit gar nicht mehr wahrgenommen werden. Wir überhören hier
also die Geräusche. Offensichtlich hat unser Gehirn die Fähigkeit, bestimmte
Geräusche zu unserem eigenen Nutzen einfach auszublenden, so z. B. das Brummen
des Kühlschrankes, das Klappern der Gläser, das Brummen der
Halogendeckenleuchte oder auch das Geräusch des Lüfterrades am Computer.
Andererseits gibt es natürlich Geräusche, die wir niemals überhören, z. B.
Polizeisirenen. Es gibt jedoch auch ganz leise Geräusche, die wir sehr wohl
sofort wahrnehmen. Die Mütter kennen das Phänomen bereits, dass selbst
kleinste, leiseste Regungen des Babys im Nebenzimmer wahrgenommen werden, während
wesentlich lautere, aber für sie unwichtigere Geräusche überhört
werden.
Ein erstmalig
auftretendes Ohrgeräusch ist ein Signal, von dem ein Muster in unserem Speicher
noch nicht vorhanden ist. Logischerweise kann es jetzt nicht zugeordnet werden.
Dieses neue Erlebnis führt zu einer Änderung des bisher stabilen Zustandes,
ein Unbehaglichkeitsgefühl stellt sich ein. Solange unser Hirn nicht in der
Lage ist, eine ordentliche Bewertung dieses Geräusches durchzuführen, wird es
den Tinnitus mit verständlichem Misstrauen betrachten.
Erst dann, wenn wir
den Tinnitus wirklich deuten können und er seine angstmachenden Eigenschaften
verliert, werden wir unsere Wahrnehmung vom Tinnitus ablenken können.
Die negative
Bewertung gibt dem Tinnitus die Kraft
Viele Menschen mit
Tinnitus beklagen den Verlust der Stille, die man vorher eher als
selbstverständlich genossen hat und erst im nachhinein so richtig zu schätzen
weiß. Darüber hinaus erleben viele Patienten ihren Tinnitus als ziemlich
bedrohlich, sie fürchten ihn und interpretieren ernsthafte Krankheiten hinein.
Viele Menschen fürchten auch, dass ihr Tinnitus, ihr Ohrgeräusch, immer lauter
wird, Ewigkeiten anhält, oder gar nicht mehr geheilt werden kann.
Das
Eindringen des Tinnitus in das Gehirn, das Wegnehmen des "Rechtes auf
Stille" begründet die Bedrohung mit der die Patienten den Tinnitus bzw. die
Ohrgeräusche erleben. So kommt es,
dass der Tinnitus fortwährend Ruhe und Frieden des Patienten stören, die
Konzentration bei der Arbeit beeinflussen kann und die eigentlich erholsamen
Aktivitäten durch seine bloße Anwesenheit beeinträchtigt. Furcht, Angst, Zorn
und Schuldgefühle sind sehr mächtige Emotionen, die die Aufmerksamkeit auf den
Tinnitus nur noch erhöhen. Noch den Erfahrungen von Prof. Hazell und Prof.
Jastreboff kann sich der Tinnitus bessern, wenn der Patient diese Gefühle über
windet und aufhört, sich Gedanken über seinen Tinnitus und seine Ohrgeräusche
zu machen.
Ziel der Tinnitus-Retraining-Therapie
ist also die Entkopplung der Ohrgeräusche von
den damit verbundenen negativen Gefühlen. Die Therapie
bietet den Patienten auf mehreren Ebenen die Möglichkeit, das Tinnitus Geräusch
in einer positiven Weise zu integrieren und bewusst damit leben zu lernen. Dies
wird erreicht durch:
Die
Tinnitus-Retraining-Therapie:
Umschulen
und Wiedererlernen
Die
erfolgreiche Tinnitus Behandlung beruht auf dem Umschulen („retraining“) und
dem Wiedererlernen. Sobald der Tinnitus, die
für uns unheimliche Bedrohung verloren hat, beginnt er sich zu
vermindern. Dabei spielt die Lautstärke des Ohrgeräusches erstaunlicherweise
keine Rolle. In manchen Fällen wird der Tinnitus für einen längeren Zeitraum
gar nicht mehr gehört. In vielen Fällen sind jedoch festgefügte Meinungen nur
sehr schwer zu verändern und bedeuten somit für die Therapeuten und den
Patienten harte Arbeit. Das unbewusste Hören zu schulen, Tinnitus als etwas zu akzeptieren, was natürlich vorkommt und was für uns nicht gleichbedeutend ist mit lebenslanger Folter und Verzweiflung weder Bedrohung noch Warnsignal, kann Monate, mitunter Jahre in Anspruch nehmen. Solch ein Retraining erfordert Fachleute eines multidisziplinären Teams mit viel Erfahrung und mit dem Willen zur Zusammenarbeit. Hier muss ganz klar und deutlich gesagt werden, dass die Retraining Therapie nicht aus dem bloßen Tragen eines Geräuschgerätes besteht, sondern sich der Erfolg erst später und durch das Zusammenwirken der einzelnen Komponenten und Therapeuten einstellen wird.
Wann
haben Sie das letzte Mal an einem knisternden Feuer gesessen, dem Rauschen der
Blätter und dem Zwitschern der Vögel gelauscht oder den Wellen des Meeres
zugehört?
Die
Tinnitus - Spezialisten Prof. Hazell und Prof. Jostreboff haben gezeigt, dass
eine grundsätzliche Tinnitus „Bereitschaft“ in jedem Menschen vorhanden ist
und durch zentrale Prozesse unseres Gehirnes unterdrückt werden kann.
Der Tinnitus wird dann für
uns
wahrnehmbar,
wenn diese hemmenden Systeme im Gehirn
nicht mehr funktionieren. Während normalerweise unsere
akustischen Filter körpereigene Geräusche (Schluckgeräusche, Strömungsgeräusch
des Blutes etc.) herausfiltern und sie für
uns "nicht wahrnehmbar
werden", kann es im krankhaften Fall
durch
eine
Störung dieser Filter zur
Wahrnehmung
der unterschiedlichsten Geräusche und Phänomene kommen. Diese falschen Geräusche
werden als störend empfunden und wie vorhin erwähnt, mit einem negativen
Charakter belegt.
Der Tinnitus als
eine zentrale Verarbeitungsstörung von Höreindrücken in Verbindung mit
negativen Gedanken und Impulsen aus dem sog. Limbischen System wird also am
besten durch die Tinnitus – Retraining Therapie behandelt. Der neue
therapeutische Ansatz aus diesen Vorstellungen resultiert daraus, dass eine
Desensibilisierung dieser zentralen Vorgänge versucht wird. Die gestörte
Filterfunktion unseres Hörsystems muss wiederhergestellt werden. Die
akustische Wahrnehmung des Gehirnes muss von den Störgeräuschen abgekoppelt
werden. Die Tinnitus – Retraining -Therapie
beinhaltet zunächst das Herausfinden der Gründe, die die Ohrgeräusche tatsächlich
verursacht haben. Dies muss mit einer richtig durch geführten Untersuchung
durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt beginnen. Der HNO-Arzt soll dann in
Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen (Hausarzt, Orthopäde, Zahnarzt,
Kieferchirurg, Neurologe, Psychotherapeut, Psychologe) eine weitere Diagnostik
der Ursachen der Ohrgeräusche durchführen. Erfahrungsgemäß treten Tinnitus
und auch Hörkrise oft im Zusammenhang mit belastenden Lebenssituationen auf,
wie beruflichen Konfliktsituationen, Trennungssituationen, angsterfüllten
Situationen. Situationen, in denen die "emotionalen Filter" nicht mehr
ausreichend funktionieren und es zu einer Dekompensation (Zusammenbruch) kommt.
Dies geschieht häufig in Form eines Ohrgeräusches und/oder eines Hörsturzes.
So
wie wir normalerweise störende oder bedeutungslose Alltagsgeräusche einfach überhören
können, so wird
der Tinnitus nicht mehr hörbar, wenn wir ihm keine Aufmerksamkeit mehr
schenken.
MITTEL
UND WEGE AUS DEM TEUFELSKREIS
DER OHRGERÄUSCHE
Neben der Wiederherstellung der
Filterfunktionen des Gehirns für Geräusche und Angstminderung ist es
erforderlich, dem
Patienten
zu helfen, seine „emotionalen Filter" wiederherzustellen. Dazu dienen im
wesentlichen tiefenpsychologische und verhaltenspsychologische
Therapieverfahren. Anschließend ist die beruhigende Aufklärung des Patienten,
was in seinem Ohr und Hirn vor sich geht, erforderlich. Sodann müssen in möglicherweise
vielen Sitzungen Ängste abgebaut werden. Kognitive Methoden, um sich sein Leben
selbst bewusst zu machen, müssen erarbeitet werden. Entspannungsübungen und Körperübungen
müssen erlernt werden. Begleitend hierzu ist der Einsatz eines Geräuschgerätes
(Noiser) unumgänglich.
Hörtraining
– Habituations - Training
Das neue
Zauberwort der Tinnitus - Retrainig - Therapie heißt "Habituation" -
Gewöhnung. Durch die TRT ( Tinnitus
– Retraining –
Therapie ), soll eine Gewöhnung an den Tinnitus erreicht werden. So
wie wir normalerweise störende oder bedeutungslose Alltagsgeräusche einfach überhören
können, so wird der Tinnitus nicht mehr hörbar, wenn wir ihm keine
Aufmerksamkeit mehr schenken. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Ohrgeräusche,
die unser Leben beeinträchtigen, in Wirklichkeit Naturgeräusche sind, die
eigentlich aus unserem Ohr kommen und vielleicht schon ein Leben lang da waren,
nun aber fälschlicherweise in unserem Gehirn als Bedrohung identifiziert
werden. Durch das Habituations - Training wird der Tinnitus mit der Zeit dann
leiser und verschwindet schließlich ganz, indem er zu einem Teil der
Hintergrundgeräusche geworden ist.
Wichtig ist hier für den Patienten
zunächst, dass er seine aktuelle Hörsituation überhaupt erfasst. In Übungen
zur Hörwahrnehmung kann er lernen, den so genannten Störschall vom Nutzschall
zu trennen. Das so genannte selektive Hören und auch das Richtungsführen kann
verbessert oder neu erlernt werden. Daraus wiederum kann man sich Hilfen für
Zeiten ableiten, in denen der Tinnitus besonders stark erscheint. Hier kann der
Patient lernen, auf andere Geräusche zu hören, sich auf andere Geräusche zu
konzentrieren. Wenn dies gelingt, erlebt der Patient eine positive Hörwahrnehmung
und erkennt damit den wesentlichen Teil des Hörtrainings.
Es wäre schön,
wenn der Patient hier von seinem emotional negativ besetzten Tinnitus
"herunterkommt" und einmal mehr die Schönheit von Naturgeräuschen
erfährt.
Wann haben Sie das
letzte Mal an einem knisternden Feuer gesessen oder einfach nur dem Rauschen der
Blätter gelauscht? Wann haben Sie das letzte Mal das Plätschern eines Baches
im Wald vernommen, das Zwitschern der Vögel oder einfach nur auf das Wasser
geschaut, die Augen geschlossen und den Meereswellen zugehört? Versuchen Sie
einmal, diese Frage kritisch für sich selbst zu beantworten.
Die Hörübungen
sollten den Patienten dazu anregen, bewusster zu hören und sich gegen die alltäglichen
Reizüberflutungen und die Unmengen an akustischem Müll unempfindlicher zu
machen.
Nur ein geschultes
Gehör kann wichtige von unwichtigen Dingen trennen und Störendes einfach überhören.
Der Hörphilosoph Joachim E. Behrend hat uns hierzu einige interessante
Ansichten in seinen Büchern hinterlassen.
Geräuschfilter
Als "Noiser"
bezeichnet man Geräuschgeräte, die ein so genanntes "Weißes
Rauschen" erzeugen. Als Weißes Rauschen bezeichnet der Fachmann Geräusche,
welche alle hörbaren Frequenzen in gleicher Lautstärke umfassen. Die Lautstärke
des Rauschens kann am Noiser mit dem Regler eingestellt werden. Das von den Geräten
produzierte Rauschen wird wegen seiner Gleichmäßigkeit nicht als störend oder
alarmierend empfunden, es wirkt völlig neutral. Hier werden alle Kanäle
unseres Hörsystems gleichmäßig beansprucht, so dass das Gehirn dieses Geräusch
regelrecht ausblenden kann. Beim Tinnitus fehlt diese Gleichmäßigkeit, der Tinnitus hat Spitzen in bestimmten Frequenzerbereichen und wirkt somit wie eine Alarmfarbe. Unser Gehirn wird regelrecht akustisch sensibilisiert. Ein gleichmäßiges Weißes Rauschen wird jedoch nicht als alarmierende Information gesehen, und es ist weder mit positiven noch mit negativen Gefühlen verknüpft.
Die modernen
Rauschgeräte für die Tinnitus–Retraining-Therapie haben jedoch nichts gemein
mit den bisher bekannten Tinnitus „Maskern“. Hier kommt den sog. Noisern
eine völlig veränderte Rolle zu. Bei der klassischen Maskierung
wurde versucht, die Ohrgeräusche mit einer entsprechend hohen Lautstärke
des Maskers völlig zuzudecken. Als Maskierungsgeräusche dienten hierzu
meistens individuell ausgewählte Schmalbandgeräusche. Die Tinnitus Maskierung
arbeitete mit einer Lautstärke, die über dem Tinnitus lag und ihn somit unhörbar
machte. Das ist aber genau das, was wir nicht wollen! Tinnitus als Objekt der
Schulung (Gewöhnung) muss für das
Gehirn hörbar bleiben, damit sich das Gehirn darauf einstellen kann.
Eine Gewöhnung an ein Ohrgeräusch ist dann nicht möglich, wenn es
durch dessen Abwesenheit nicht wahrnehmbar ist. Der Einsatz der Rauschgeräte
ist dagegen völlig anders gedacht. Hier wird die Lautstärke nur so hoch
eingestellt, dass die Ohrgeräusche weiterhin noch wahrgenommen werden. Dies ist
der gravierende Unterschied.
Man
muss jedoch vor überzogenen Erwartungen warnen. Hier wird zur Zeit in den
Medien und auch durch die Werbung von einer neuen Wunderwaffe gegen den Tinnitus
gesprochen. Dies ist bei diesen Rauschgeräten nicht der Fall. Sie sind nur ein
Teil der Tinnitus- Retraining-Therapie und nur zusammen mit den anderen
Behandlungssäulen können sie zu einer wirksamen Waffe gegen den Tinnitus
werden. Keinesfalls sollten sie einzeln für sich getragen werden, ohne eine
begleitende Retraining- Therapie. Vor Beginn jeder Behandlung muss vom
Ohrenspezialisten entschieden werden, wie das therapeutische Geräusch am besten
eingesetzt wird. Gewöhnlich ist die Versorgung mit einem Geräuschgerät auf
einem Ohr (dem Tinnitus Ohr) ausreichend. Es gibt jedoch nicht wenige Autoren,
die eine beidohrige Versorgung empfehlen. Der Noiser wird dem Ohr angepasst,
wobei hier verschiedene Geräte möglich sind:
1.Das
Hinter-dem-Ohr-Gerät: Vorteil: Guter Sitz, offene Otoplastik ohne Verschluss des Gehörganges möglich.
Nachteil:
Bei kurzem Haarschnitt auffälliger zu tragen als andere Hörgeräte.
2.
Das Im-Ohr-Gerät:
Vorteil:
Sitz direkt im Gehörgang, bei kurzem Haarschnitt diskreter. Schallaufnahme
direkt in der Concha (Ohrmuschel).
Nachteil: Verschließt
auch bei bester Anpassung den Gehörgang fast vollständig, so dass hier
eigentlich gegen das Retraining gearbeitet wird.
Vorteil: Das Gerät
lässt sich in der Ohrmuschel regelrecht verstecken. Eine offene Versorgung ist
möglich, lediglich ein kleiner durchsichtiger Plastikschlauch führt in den Gehörgang
hinein. Der Gehörgang bleibt somit unverschlossen.
Nachteil: Bei
genauem Hinsehen kann man das hautfarbene Gerät entdecken. Eventuell
unkomfortabler Sitz, da nicht individuell angefertigt.
Hier noch
einmal ein wichtiger Hinweis:
Um das normale Hören
des Ohres nicht zu beeinträchtigen, darf der Gehörgang nicht durch Geräte
verschlossen werden. Die Kommunikation und die Aufnahme von Außengeräuschen
darf keinesfalls eingeschränkt werden, wie es sonst zu gegenteiligen Wirkungen
kommen kann. Aus diesem Grunde sind eigentlich nur Hinterdem-Ohr-Geräte oder
Cymba-ConchaGeräte zu empfehlen.
Der Noiser wird dem
Ohr angepasst und muss nun mindestens 6 - 8 Stunden/Tag getragen werden. Bei der
Einstellung des Noiser ist darauf zu achten, dass das Weiße Rauschen zunächst
auf ein Level eingestellt werden soll, das über der Hörschwelle, aber
unterhalb der Tinnitus Lautstärke liegt. Konkreter heißt das, wenn der Patient
in ruhiger Umgebung ein leises Rauschen gerade eben wahrnimmt, dann ist das Gerät
gut eingestellt. In anderen Worten: Der Noiser muss gerade hörbar sein, er darf
Gespräche nicht stören, darf nicht unangenehm sein und den Tinnitus nicht überdecken. Unter dem Tragen des Geräuschgerätes
erscheint mit der Zeit der Tinnitus nicht mehr so laut, und das auch in Zeiten,
in denen das Gerät nicht getragen wird. Der bestmögliche Effekt wird jedoch
erst bei einer Behandlung von 1 - 2 Jahren erreicht.
Die Seele
und Tinnitus
Die Tinnitus-Retraining-Therapie
ist neben der HNO-ärztlichen Therapie und der Therapie mit dem Geräuschgerät
an die psychosomatische Therapie gebunden, die sozusagen den inneren Anteil der
Retraining - Therapie darstellt. Tinnitus-Retraining heißt auf der seelischen Ebene, dass wir wieder einen positiven Zugang zu unserem Hören finden und mit dem Tinnitus Geräusch unseren persönlichen Frieden schließen können. Diesen inneren Schritt nimmt uns das Geräuschgerät nicht ab. Es ist also notwendig, wenn die "alte Stille" so nicht mehr erreichbar ist, einen neuen Zugang zur möglichen inneren Stille zu finden. Es ist wichtig, dass wir auf das hören und uns dem stellen, was innerlich laut scheint und einen ganz persönlich geeigneten Umgang damit suchen. Dazu brauchen wir therapeutische Unterstützung, denn oft ist das Nach-Innen-hören und -schauen selbst angstbesetzt und braucht Unterstützung. Oft empfinden wir erst durch den Tinnitus, dass etwas in unserem Leben nicht in Ordnung ist. Insofern liegt im Tinnitus, wie oft im Leid auch, eine Chance.
In der Therapie
einer 28jährigen Patientin z. B., die seit 10 Jahren an Tinnitus litt, stellte
sich heraus, dass sie in ihrem Tinnitus, unter dem sie sehr litt, einen
unverzichtbaren Begleiter hatte, dessen ständige Gegenwart sie daran hinderte,
einen tieferen Schmerz und eine tiefere Wut gegenüber ihrer Mutter zu spüren.
Manchmal also kann der Tinnitus einen tieferen seelischen Schmerz maskieren, und
nach dessen Auflösung kann der Betroffene mit dem Symptom besser und weitaus
angstfreier umgehen.
Manchmal ist der
Tinnitus aber auch ein unbequemer Begleiter, der sich plötzlich in das eigene
Leben eingeschlichen und eingemischt hat, ohne dass sich ein tieferer seelischer
Grund finden ließe. Dann ist es wichtig, dass wir lernen, ihm so wenig
Beachtung wie möglich zu schenken.
Andere Betroffene
befürchten, mit dem Tinnitus ihre Fähigkeit zur Stille verloren zu haben; dann
ist es wichtig, dass sie wieder einen Zugang zur inneren Stille finden. Soweit wir heute über die seelisch-körperlichen
Bedingungen des Tinnitus Erlebens wissen, kommen folgende den Tinnitus auslösende
bzw. verstärkende Zusammenhänge in Betracht:
1. Körperlicher und emotionaler
Stress kann den Tinnitus verstärken oder als Symptom zur Auslösung bringen.
Wir wissen, dass es über
psychische und körperliche Stress-Reaktionen zu Veränderungen im Körper
kommt, die sowohl die Wahrnehmung wie auch die körperliche Bereitschaft zum
Tinnitus erstaunlich erhöhen. Diese Veränderungen reichen neben der Veränderung
des emotionalen Haushaltes und der großen Kreislaufregulation wahrscheinlich
bis in Veränderungen der Innenohrflüssigkeit (Endolymphe). Wir stellen fest,
dass mit dem Tinnitus eine Störung des Reizfilters nach Außen und noch Innen
verbunden ist.
2.
Unsere Gefühle bestimmen die Wahrnehmung unserer Umwelt wie unseres Selbst.
Dementsprechend unterliegt unsere Selbstwahrnehmung auch unseren Einstellungen
und unserem Denken über uns selbst, über unsere Lebenssituation und unsere
Beziehungswelt, über unsere Gesundheit und unsere körperlichen Empfindungen.
Ein hoher Prozentsatz der Tinnitus Leidenden hat seelische Störungen, die
ihre Gefühlswelt wesentlich mit Angst und Depression belasten. Zur gezielten psychosomatischen Therapie des Tinnitus gehört ausreichende Information und ein spezielles kognitives Training, welches die automatischen Gedanken- und Fühlmuster, die sich mit dem Tinnitus verbinden, bewusst macht. Die Betroffenen lernen, alte negative Gedanken in eine positive und hilfreiche Einstellung gegenüber dem Tinnitus zu wandeln. Sie lernen, den Tinnitus anders im Gesamtkontext ihres Lebens zu bewerten und wenig hilfreiche Gefühle zu lenken. Dazu gehört auch eine konsequente Selbsteinschätzung mittels Tinnitus Tagebuch.
Innere seelische Anspannung und körperliche Verspannungen bzw. Blockierungen erhöhen unsere Krankheitsempfänglichkeit und verstärken schon bestehende körperliche und psychische Symptome. Deshalb sind Entspannungsübungen hilfreich und unterstützen die anderen Therapieansätze innerhalb der Tinnitus–Retraining-Therapie. Die Patienten lernen, durch Entspannung ihre Körperwahrnehmungen zu erweitern und diese für einen heilsamen Umgang mit sich selbst einzusetzen. In den letzen Jahren hat sich in Deutschland bei der Tinnitus - Therapie ein offenbar entscheidender Wandel vollzogen. Die Suche nach immer neuen, den Tinnitus abtötenden Pillen war erfolglos geworden. Durchblutungsfördernde Maßnahmen und die Sauerstoffüberdruck-Behandlung erbrachten nur in der Frühphase des Tinnitus Erfolg. Nach den neuesten Erkenntnissen gelingt es durch Gewöhnungsprozesse, das störende Geräusch aus der Wahrnehmung verschwinden zu lassen oder es in ein für uns unbedeutendes Hintergrundgeräusch umzuwandeln. Diese neuen therapeutischen Konzepte, die eine Gewöhnung an die Ohrgeräusche fördern, werden unter dem Begriff Tinnitus–Retraining-Therapie zusammengefasst.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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